Bernd Hasselbring sieht die VG10S als wichtige Ergänzung

Die Klasse VG10S zählt zu den jungen Klassen im Angebot des Deutschen Minicar-Clubs (DMC), die sich je nach Sportkreis einer beachtlichen Beliebtheit erfreut. Ein Standardmotor, wobei zwei Triebwerke von zwei Herstellern zur Auswahl stehen, ist die zentrale Komponente, die Vorteile nicht nur durch den geringeren Anschaffungspreis, sondern auch durch geringere Unterhaltungskosten durch reduzierten Verschleiß bewirkt. Das Highlight der Saison ist der Deutschland-Cup (DC), der nationale Titel-Wettbewerb, der wie schon im Vorjahr auch 2019 wieder vom AMC Hamm vom 19. bis 22. September ausgerichtet wird, gemeinsam mit der Deutschen Meisterschaft VG10 und dem DC VG8S (Nennschluss: 25. August). Als Titelverteidiger in der VG10S geht Bernd Hasselbring an den Start. Der 57 Jahre alte Xray-Pilot vom AMC Hildesheim äußert sich im MIKAnews-Interview über die Vorzüge der VG10S, über die weitere Entwicklung der Klasse sowie über sein Material, seine Erfolge und seine Ambitionen. Uwe Baldes befragte ihn im Vorfeld des kommenden Deutschland-Cups VG10S @ AMC Hamm im Rahmen der Deutschen Meisterschaft VG10.



Uwe: Vor einem Jahr hast Du in Hamm den Titel im Deutschland-Cup VG10S gewonnen. Was bedeutet Dir dieser Titel?


Bernd Hasselbring: Dieser Titel hat bei mir aus zwei Gründen einen recht hohen Stellenwert, denn es ist ein Titel, der nicht einer bestimmten Altersklasse vorbehalten ist, was sonst schon eher mein „Jagdgebiet“ ist.


Uwe: Wie viele Titel hast Du bisher auf Deinem Konto, national und international?


Bernd Hasselbring: Ich führe nicht Buch und versuche mal mich zu erinnern, was so in den vergangenen 20 Jahren zusammengekommen ist. Die ersten Erfolge kamen in der LRP-HPI-Challenge, sowohl im Elektro- als auch im Nitro-Bereich in der Jahreswertung der Gruppe Nord und dann auch mit einem Sieg beim LRP Touring Car Masters in Eppelheim. Meinen ersten von schließlich drei DMC-Titeln als Senior in der Klasse EGTWSP habe ich 2004 gewonnen. Die größten Erfolge aus meiner Sicht kamen dann aber in VG10SCA, allen voran der Sieg bei der Euro 40+ in Wiesbaden in einem sehr starken Feld und mit Foto-Finish für die Plätze 1-2-3. Nicht minder wichtig waren die beiden folgenden Titelgewinne in Lyon und Monaco. Einmal siegen ist schon besonders, aber dieses zu bestätigen, ist schon eine außergewöhnliche Erfahrung. Mittlerweile habe ich drei goldene, eine silberne und drei bronzene EFRA-Medaillen in eben dieser (Alters-) Klasse gesammelt. Gesamtsiege gab es noch in der Sportkreis-Meisterschaft Nord und eben vor einem Jahr in Hamm in der VG10SCASP.


Bernd Hasselbring – Quelle_ Facebook Bertram Kessler


Uwe: Wie siehst Du die Klasse VG10S, die laut DMC VG10SCASP abgekürzt wird? Welches Potenzial hat diese Klasse, welche Rolle soll bzw. sollte diese Klasse im Verhältnis zur eigentlichen VG10 übernehmen?


Bernd Hasselbring: Vor dem Hintergrund, dass die VG10SCA – also nicht die Standard-Klasse – schon ein sehr hohes Niveau bezüglich Material und Fahrer hat, ist eine zweite Klasse ganz sicher wichtig, um Einsteigern und den ambitionierten Hobby-Racern eine Chance zu geben. Mit den Standard- bzw. Einheitsmotoren gibt es da eine Differenzierung. Aber, unsere Starterfelder sind nicht so üppig, als dass man sich zu viele Klassen leisten kann. Besser wäre ein Ansatz wie VG8 mit der Klasse 1 und 2. Gleiches Material, aber eine „Klassengesellschaft“. Aus meiner Sicht könnten es auch drei sein mit Auf- und Abstieg. Entscheidend ist, dass zumindest bei den SK-Läufen zusammengefahren wird, aber getrennt gewertet werden kann. Und im Übrigen halte ich auch die Punktemitnahme aus den SK-Meisterschaften zur DM für sinnvoll.


Uwe: Man sagt, dass durch die etwas leistungsschwächeren Einheitsmotoren die Chancengleichheit größer sei und die Kosten begrenzt werden, weil der Verschleiß an Reifen, Motoren, Fahrzeugteilen wie Riemen etc. durch weniger Leistung verringert wird. Kannst Du das bestätigen?


Bernd Hasselbring: Für alles mit Ausnahme der Motoren ein klares Ja. Die Einheitsmotoren sind zwar günstig in der Anschaffung, aber durchaus etwas empfindlich. Mit einem wertigeren Motor und somit robusterem Motor fahre ich ewig. Ich habe einen LR3 aus 2007, und der läuft immer noch. Und ein solcher Motor ist zudem auch noch leichter einzustellen, was gerade den Einsteigern zu Gute kommt.


Uwe: Findest Du es eigentlich schade oder gar unfair, dass in der VG10S wie nun auch in der neuen VG8S nur ein Deutschland-Cup als höchstes Prädikat ausgetragen wird anstatt einer normalen Deutschen Meisterschaft?
Bernd Hasselbring: Nö! Aber ich verstehe nicht warum.


Uwe: Vor allem im Westen erfreut sich die VG10S vieler Teilnehmer, die Konkurrenz ist sehr stark. Woran liegt das? Und Du bist ja als „SK-Nord-Fahrer“ auch einige Rennen im Westen gefahren. Warum?


Bernd Hasselbring: Na, wegen der starken Konkurrenz. Pokale kann man sich ja auch kaufen, aber es ist schöner, sie zu gewinnen. Aber jetzt wieder ernst: Der Westen hat starke Starterfelder, weil sich jemand namens Uwe Baldes zusammen mit vielen anderen überdurchschnittlich engagiert. Da ist man gern dabei. Und ich möchte diese Gelegenheit nutzen und meinen Respekt vor der geleisteten Arbeit und meinen Dank dafür ausdrücken.


Bernd Hasselbring – Foto: Tanjas RC Bilder

Uwe: Motoren sind ein zentrales Thema in der VG10S. Derzeit sind zwei Einheitsmotoren von Picco und Novarossi zugelassen. Wie siehst Du diese Situation? Bist Du eher für die Beschränkung auf einen Motor (Picco) oder eher für die Zulassung eines dritten Motors?


Bernd Hasselbring: Wie schon gesagt, ich bin eher für gleiches Material und eine Klassengesellschaft. Aber wenn das nicht mehrheitsfähig ist, dann spricht nichts gegen drei Motoren. Warum wollen wir denn schon wieder potenzielle Starter abschrecken, nur weil der Motor, den man noch in der Kiste hat, nicht mehr zugelassen ist? Wenn einer besser sein sollte, dann werden die anderen zwei Typen eben nicht gekauft. Die „Variationen“ bei den Novarossi-Motoren sind natürlich nicht okay für einen Standard-Motor, aber auch nicht tragisch. Deswegen hat noch keiner ein Rennen gewonnen oder verloren. Wichtiger ist die Motorenkontrolle.


Uwe: Kontrollen werden durchgeführt, sind aber u.a. durch sich ändernde Zusammenstellungen der Motoren nicht einfach zu kontrollieren. Was könnte man hinsichtlich der Kontrolle verbessern?


Bernd Hasselbring: Nicht viel. Einzig würde ich nicht nur die ersten Drei kontrollieren, sondern nach dem Zufallsprinzip auch beliebige Weitere. Es ist nämlich mindestens genauso ärgerlich, nicht aufzusteigen, weil jemand mit einem faulen Motor schneller war. Das soll nicht heißen, dass betrogen wird. Kontrollen sind erst einmal dazu da, um dem Betrug vorzubeugen.


Uwe: In der ProStockSeries (PSS) wird auch mit Einheitskarossen gefahren. Findest Du das gut?


Bernd Hasselbring: Ja, je weniger Parameter, umso besser – insbesondere für eine Standardklasse!


Uwe: Du nimmst am Deutschland-Cup teil, um Deinen Titel zu verteidigen. Auf welches Material – Chassis, Motor, Karossen, Sprit, RC-Anlage – vertraust Du?


Bernd Hasselbring: Erst einmal eine Korrektur: Ich nehme am D-Cup teil, weil ich gern Rennen fahre. Natürlich ist es mein Ziel und mein persönlicher Anspruch, zu gewinnen. Das wäre dann die Titelverteidigung. Mein Chassis ist ein Xray, dann werde ich wohl auf den Picco setzen, meine Karosse ist PSS-Standard, der Sprit ist Orcan und gerudert wird mit Sanwa bzw. Savöx.


Uwe: Apropos Titelverteidigung: Einigen VG10S-Teilnehmern gefällt es nicht, dass Top-Leute aus der VG10SCA starten dürfen, dass es keinerlei Beschränkungen gibt, beispielsweise dass die Top 5 des letztjährigen VG10S-DC und die TOP20 der DM VG10 nicht mehr antreten dürfen. Kannst Du diese Meinung nachvollziehen?


Bernd Hasselbring: Nur bedingt. Es ist sicherlich erst einmal richtig, dass es konsequent wäre, wenn die ersten „aufsteigen“ müssten. Das ist auch meine Sichtweise, aber das macht nur Sinn, wenn das nicht mit einem Klassenwechsel (Motoren) verbunden ist.


Uwe: Die DM VG10 und der Deutschland-Cup finden erneut in Hamm statt. Du warst in diesem Jahr bei zwei Rennen in Hamm am Start. Was magst Du an der Rennstrecke und der gesamten Anlage?


Bernd Hasselbring: Die Leute, welche diese betreiben.

 

Mehr Informationen zur kommenden Deutschen Meisterschaft VG10 und dem DC beim AMC-Hamm findet ihr hier: –Zum kommenden Event–

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